Fragwürdige Empfehlungen der Hypothekarexperten

Die Tageszeitung Blick hat diese Woche mit grossen Buchstaben über die zunehmende Verschuldung der Eigenheim-Besitzer geschrieben. Der schweizweite Hypothekarbestand hat in diesen Monaten eine neue Rekordmarke erreicht. Doch nicht nur der riesige Schuldenberg ist ein Thema, der Blick gibt auch Ratschläge im Hypothekarbereich und hat dazu verschiedene Experten befragt. Kopfschütteln lösten gewisse Aussagen dieser Fachleute aus. Lorenz Heim, CEO des Hypotheken-Zentrums, rät im Interview beispielsweise, dass eher risikoscheue Hypothekarkunden die Finanzierung aufteilen sollen. Gemäss seiner Empfehlung sollen diese Kunden zwei Drittel ihrer Finanzierung als langfristige Festhypothek und den Rest als Geldmarkthypothek (Libor) aufnehmen. Aus meiner Sicht ist dieses vorgeschlagene Vorgehen wenig vorteilhaft. Eine Aufteilung der Hypothekarfinanzierung in verschiedene Laufzeiten schwächt die eigene Verhandlungsposition bei der Kreditverlängerung gegenüber dem Kreditgeber.

Ein noch grösseres Unverständnis hat die Aussage von Kay Foerschle, Leiter Marketing und Kommunikation beim Hypothekarvermittler Moneypark, bei mir ausgelöst. Er lässt sich in der Zeitung wie folgt zitieren: «Dass die erste Hypothek nicht zurückgezahlt wird, hat vor allem steuerliche Gründe. Da der Eigenmietwert unabhängig von der Hypothekarhöhe versteuert werden muss, lohnt sich in den meisten Fällen, die erste Hypothek stehen zu lassen und die bezahlten Hypothekarzinsen vom steuerbaren Einkommen abzuziehen.» Es ist korrekt, dass nach heutiger Regelung die Schuldzinsen steuerlich abgezogen werden können. Dass jedoch auf eine Amortisation aufgrund des Eigenmietwertes verzichtet werden soll, ist grundsätzlich falsch. Der Eigenmietwert wird sowieso als fiktives Einkommen besteuert, ob mit oder ohne Hypothek. Die Frage, ob die Hypothek amortisiert werden soll oder nicht, hängt jedoch viel mehr von der eigenen Risikobereitschaft und der eigenen Zinserwartung ab. Werden mit den Geldern, die für die Kreditrückzahlung eingesetzt werden könnten, nicht mindestens die Kosten der Hypothekarzinsen erwirtschaftet, dann es lohnt sich, eine freiwillige Rückzahlung der Hypothek ins Auge zu fassen. Dies unabhängig vom Eigenmietwert.

Die Meinung, eine Hypothekaramortisation lohne sich nicht, ist landläufig verbreitet und basiert in vielen Fällen auf falschen Annahmen. Dass es Herr Foerschle nicht besser weiss, erstaunt nur auf den ersten Blick. Denn auch die Firma Moneypark als Hypothekarvermittlerin ist primär an einer möglichst hohen Hypothek interessiert.  Amortisationen führen tendenziell zu tieferen Einnahmen für seinen Arbeitgeber. Kein Wunder also, rät er von einer Rückzahlung ab.

Einer Aussage im Artikel stimme ich jedoch voll und ganz zu: «Eine gute Beratung ist das A und O beim Hauskauf.» Wenn die Beratung dann noch von einem wirklich unabhängigen Finanzfachmann erfolgt, dann umso besser. Denn die Hypothekargeber, wie Banken oder Versicherungen beispielsweise, verfolgen nicht in allen Belangen die gleichen Interessen wie Sie als Kunde. In diesem Sinn bin ich bei  Fragen rund um Ihre Eigenheimfinanzierung gerne für Sie da.