Altersvorsorge 2020: Schrittweise Senkung des Umwandlungssatzes

Das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) gibt obligatorische Parameter für die 2. Säule vor. Das dadurch angesparte Altersguthaben wird auch obligatorischer Teil oder Obligatorium genannt. Bieten die Pensionskassen ihren Versicherten Leistungen an, die über die gesetzlichen Mindestvorschriften hinausgehen, dann wird dieses Guthaben mit Überobligatorium oder überobligatorischer Vorsorge bezeichnet. Die nachfolgend erwähnten Änderungsvorschläge betreffen nur den obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge. Im Überobligatorium steht es den Pensionskassen weitgehend frei, die Leistungen selbstständig zu definieren.

Eine der grössten Herausforderungen unseres Vorsorgesystems ist die zunehmende Lebenserwartung. Die Menschen werden immer älter und können dadurch ihre Rente länger beziehen. Die zusätzlichen Rentenjahre müssen irgendwie finanziert werden. Doch mit dem heutigen globalen Tiefzinsumfeld ist es schwierig, dafür genügend Erträge erwirtschaften zu können. Aufgrund der heutigen anspruchsvollen Ausgangslage besteht ein breiter Konsens, dass hier dringender Handlungsbedarf vorhanden ist.

Bei der Berechnung der Rentenhöhe spielt der sogenannte Umwandlungssatz eine wichtige Rolle. Diese mathematische Grösse sagt nämlich aus, wie viel Rente pro angesparten Franken Altersguthaben ausbezahlt wird. Der Umwandlungssatz für den obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge liegt derzeit bei 6.8%. Pro Fr. 100’000 Altersguthaben wird somit eine jährliche Rente von Fr. 6’800 (6.8% von Fr. 100’000) ausgerichtet. Dieser Mindestumwandlungssatz soll nun schrittweise ab 2019 um jährlich 0.2% auf neu 6.0% reduziert werden. Die Renten werden dadurch um rund 12% gekürzt.

Nicht betroffen von dieser Rentenkürzung ist die sogenannte Übergangsgeneration (siehe Text auf meiner Webseite: «Der Fünfer und das Weggli für die Übergangsgeneration»). Personen mit Jahrgang 1973 und älter erhalten eine Rentengarantie. Finanzielle Zuschüsse in ihre Pensionskasse stellen sicher, dass trotz Reduktion des Umwandlungssatzes das bisherige Renteneinkommen aus dem obligatorischen Teil beibehalten wird.

Zudem hat dir Reform auch keinen Einfluss auf die bereits laufenden Renten. Wer bereits eine Pensionskassenrente bezieht, ist von der Senkung nicht betroffen.

Um die geplante Rentenkürzung abfedern zu können, wurden insbesondere für die jüngere Generation verschiedene Ausgleichsmassnahmen beschlossen. Diese haben das gemeinsame Ziel, das Altersguthaben zu erhöhen und dadurch das bisherige Rentenniveau zu erhalten. Für welche Altersgruppen in Zukunft ein höherer Sparbeitrag in die Pensionskasse vorgesehen ist und inwiefern Teilzeitangestellte und Personen im tiefen bis mittleren Einkommensbereich profitieren, erfahren Sie in den nächsten Kapiteln.